Interview mit Marc Heldt

Heute ist ein besonderer Tag auf HeuteTanzen.de. Seit heute findet man hier alle Tanzveranstaltungen Düsseldorfs. Und als weiteres Schmenkerl haben wir auch die Ehre hierzu ein Interview mit einer wichtigen Person der Düsseldorfer Tanzszene zu führen. Lernt Marc Heldt kennen. Er ist nicht nur eine Koryphäe und auch treibende Kraft in Sachen West Coast Swing in Deutschland, sondern auch der Inhaber der Tanzschule Dresen, welche schon seit 1947 Gesellschaftstänzer in allen Formen und Tänzen in Düsseldorf hervor bringt.


HeuteTanzen.de Hallo Marc. Wie und wann bist du auf das Tanzen gekommen?

Marc: Im Alter von 14 Jahren haben mich meine Eltern zu einem klassischen Standard- und Latein-Schülerkurs angemeldet. Dies war damals in der Tanzschule Schäfer in Wuppertal. Dort habe ich den normalen Anfängerkurs über – ich glaube 12 mal – anderthalb Stunden besucht. Danach gab es ein Anfängerturnier für alle Debutanten, was ich sang- und klanglos nach der Vorrunde verlassen habe. Eigentlich dachte ich, ich würde gewinnen. Aber gut, war nicht so.

Im Stufe 2 Kurs bin ich dann angesprochen worden, ob ich mit der Tochter des Hauses, Cornelia Schäfer, nicht interesse hätte, Standard- und Latein-Turniere zu tanzen. Die Aussage war, weil ich so gerade stehen konnte. Mit der Tochter hätte ich zu der Zeit alles angefangen und dementsprechend habe ich mich auch dazu entschieden, mit ihr Standard und Latein zu tanzen.

Nach langem Training hatten wir Glück, dass wir eine sehr, sehr erfolgreiche Turnierserie hatten und in Standard- und Lateintänzen schnell in den Jugendverbänden, bzw. im Jugendbereich in die höchsten Gruppen kamen, inkl. Kadertraining.

Und das war mein Einstieg zum tanzen.


HeuteTanzen.de Was ist "dein Tanz"?

Marc: Im Moment ist sicherlich West Coast Swing mein Tanz. Gar keine Frage. Aber es hat eine Weile gedauert, bis ich zum Social Tanzen gekommen bin. Aufgrund der Standard-/ Latein-Turniere war Tanzen für mich Sport, welcher zunächst durch die Arbeit als Tanzlehrer entspannter wurde. Über Tango Argentino habe ich das Social Tanzen erst wirklich kennen gelernt und habe mich über Salsa langsam an den West Coast Swing heran getraut.

Aber West Coast Swing ist im Moment sicherlich mein Tanz.


HeuteTanzen.de Was macht West Coast Swing zu etwas besonderem?

Marc: In meiner Meinung nach, ist West Coast Swing der einzige Tanz, in dem a) Lead and Follow in absoluter Perfektion durchgeführt werden kann, b) die Musikvielfalt so extrem groß ist, das einem niemals langweilig wird und c) egal mit wem man wann, wie, wo tanzt, diesen Tanz eigentlich niemals zwei mal erleben kann. Und dadurch die Vielfalt so groß ist, dass es einem Spaß und ein Interessantheitsgrad hat, der niemals aufhört.


HeuteTanzen.de Und wie hast du ihn entdeckt?

Marc: Vor ca. 15 Jahren (…oder noch länger?) hatten wir in der Ausbildung zum Tanzsportlehrer ein vierstündiges Seminar bei Buddy Schwimmer über East Coast Swing, West Coast Swing, Balboa und Lindy Hop. Das war mein erster Kontakt mit diesem Tanz. Zu dieser Zeit aber war ich noch zu engstirnig, um offen für andere Tänze zu sein. Wir hatten in den vier Stunden viel Spaß. Es war sehr unterhaltsam und sehr interessant, aber ich habe es zu der Zeit ein bisschen unter dem Motto abgetan: wofür brauch ich neue Tänze, ich hab doch Jive?

Hätte ich es zu der Zeit mal besser gewusst!


HeuteTanzen.de Du kommst aus Düsseldorf. Was macht diese Stadt zu etwas besonderem für dich?

Marc: Gebürtig komme ich aus Wuppertal. Immerhin 40 km von Düsseldorf entfernt. Aber schon zur Schulzeit hatte ich einen Freundeskreis in Düsseldorf und bin dort sehr gerne auch zur späteren Zeit dort weggegangen. Durch das Jobangebot als Tanzlehrer in Düsseldorf, bin ich relativ früh dorthin gezogen. Und für mich ist Düsseldorf eine Großstadt, obwohl es immer noch ein Dorf ist. Alles ist Fußläufig zu erreichen. Wir haben den Rhein. Wir haben sehr schöne Gastronomie- und Einkaufs-Bereiche. Wir haben Wald. Wir haben kleine Berge. Wir haben von allem ein bisschen was. Und die Rheinische Art kommt mir sehr zu Gute. Deswegen ist Düsseldorf für mich was ganz besonderes.

Durch meine vielen Reisen bin ich oft gefragt worden, wo ich gerne Leben würde. Aber im Endeffekt: leben würde ich am liebsten in Düsseldorf.


HeuteTanzen.de Was kannst du uns über die Tanz-Szene dort sagen?

Marc: Die Tanz-Szene in Düsseldorf… Tja! Wir haben zwei sehr große Tanzsportclubs. Den TD Rot-Weiss und den Boston Club. Dadurch ist das Turniertanzen und das Breitensporttanzen sicherlich sehr stark vertreten. Es gibt Uni-Sport durch die Universität, die wir in Düsseldorf haben. Es gibt eine große Salsa- und auch Tango Argentino-Szene.

Das Tanzhaus NRW ist hier ansässig, wodurch auch viele Randtänze die dort ihr Dasein finden.

In den letzten Jahren hat sich auch eine richtige West Coast Swing Szene in Düsseldorf und um Düsseldorf herum gebildet. Also in Düsseldorf wird schon getanzt.


HeuteTanzen.de Wie bist du zum Unterrichten gekommen? War das schon immer ein Traum von dir?

Marc: Durch meine aktive Zeit als Latein- und Standardtänzer während meiner Noch-Schulzeit, bin ich oft gefragt worden, wie die Sachen so funktionieren. Und ich habe versucht meinen Freunden und Bekannten etwas beizubringen und habe gemerkt, dass es eine Tätigkeit ist, die mir liegt. Deswegen habe ich es in Erwägung gezogen, Tanzlehrer zu werden und dann, wie vorher schon beschrieben, den Werdegang zurück gelegt.


HeuteTanzen.de Was magst du am Unterrichten? Und was magst du daran nicht?

Marc: Das werd ich relativ oft gefragt. Zumal ich ja fast täglich, seit 1989, im Paartanz Bereich unterrichte. Das besondere am Unterrichten ist, und das darf man niemals vergessen, wenn man es als Beruf ausübt, dass die Leute normalerweise alle freiwillig zu einem kommen. Eine bessere Atmosphäre kann man gar nicht haben. Die meisten Leute wollen wirklich etwas von einem wissen. Es stehen also alle Vorzeichen auf Positiv. Und ich denke, es liegt an uns Lehrern, es auch den Schülern so zu vermitteln, dass Spaß- und Lernfaktor gleichermaßen vertreten sind und es positiv weiter gehen kann. Und das man unterscheidet, für was man unterrichtet. Für den Freizeit- oder den Leistungsbereich, für das, was gerade von Nöten ist.

Ich mag meinen Job und es gibt eigentlich keinen Aspekt, den ich am Unterrichten nicht mag.


HeuteTanzen.de Du bildest auch Tanz-Trainer aus. Ist das Unterrichten von Tanzlehrern anders als das Unterrichten von Tanzschülern?

Marc: Oh ja. Auf der einen Seite ist es schon sehr anders, weil der Tanzschüler einem vielleicht schneller glaubt, als der Tanzlehrer, der etwas neues lernt oder ausgebildet wird. Weil er ja schon seine vorgefertigte Meinung hat. Was auch absolut in Ordnung ist. Aber es ist bei Tanzschülern genauso, wie bei Ausbildungslehrern oder bzw. bei denen, die ausgebildet werden: Es gibt welche, die sich offen der neuen Sache entgegenstellen, wissbegierig sind und nachfragen und es gibt welche, die sich ein bisschen dagegen sperren. Aber, wie gesagt, dies gibt es auf beiden Seiten, nur das Niveau bei der Tanzlehrerausbildung ist sicherlich ein anderes und auch des Hinterfragens.

Aber ich liebe es: Die Diskussion darüber, was man daraus machen kann


HeuteTanzen.de Du bist fast jedes Wochenende für Workshops gebucht, ist das nicht ermüdend?

Marc: Wie ich vorher schon sagte, unterrichte ich fast täglich seit 1989. Das anfangs ausschließlich hier in der Tanzschule. Dann gab es noch verschiedene Angebote außerhalb zu unterrichten. In anderen Tanzschulen und als wir verschiedene Filialen hatten auch mal dort.

Ich sehe das so: Natürlich unterrichte ich jeden Tag, und natürlich reise ich sehr, sehr viel. Aber durch das viele Reisen und die vielen Workshops lerne ich viele, viele neue Tänzer kennen. Und das ist für mich schon sehr, sehr interessant, weil jeder Schüler anders reagiert und auch jede Community – gerade in Sachen West Coast Swing – anders reagiert. Das macht meinen Job besonders leicht. Und es ist nicht ermüdend. Ganz im Gegenteil: Das Unterrichten macht weiterhin sehr, sehr viel Spaß. Wenn man überhaupt von Ermüden sprechen kann, ist es die viele Reiserei und das Fliegen, aber die Vorfreude auf schöne Workshops überwiegt dann der Ermüdung mit Sicherheit. Denn die meisten sind so engagiert dabei, dass man als Lehrer da eigentlich von mitgerissen wird.


HeuteTanzen.de Zum Schluß würde ich dich bitten ein Tanzvideo zu nennen, welches deiner Meinung nach den Character von West Coast Swing am besten darstellt.

Marc: Das finde ich wirklich gut!

Neuerer Artikel

Interview mit Kim aus Bremen Interview mit Kim aus Bremen

Älterer Artikel

Willkommen auf DanceSocially
Geschrieben am:
07.05.2016
Kategorien:
Interview, Düsseldorf
Tanzfokus:
West Coast Swing
Fotos:
christine-sommerfeldt.de
Links:

Diesen Artikel

  • auf Facebook teilen
  • auf Twitter teilen
  • auf Google+ teilen